Schimmelpilze auf Verordnung

Glosse von Dr. Klaus Gräbener

Sie planen den Bau eines Eigenheimes, haben endlich die Finanzierung stehen oder verwenden einen Teil Ihres Lottogewinnes? Denken Sie an die EnEV von 2002!

Sie planen die Sanierung Ihres Mehrfamilienhauses, weil Zeitpunkt und Finanzierung günstig sind und Sie in dieser Investition einen sinnvollen Beitrag für Ihre Altersversorgung sehen? Denken Sie an die EnEV von 2002!

Sie haben ein verlockendes Angebot zum Kauf eines sanierungsfähigen Altbaus, freuen sich über die hervorragende Lage und die vorteilhaften Abschreibungen? Denken Sie an die EnEV von 2002!

Sie haben keine Ahnung, wovon überhaupt die Rede ist? Das ist gar nicht gut. Rund 15 Millionen Bundesbürger – das entspricht rund sieben Millionen Haushalten – haben Ihnen da einige Erfahrungen voraus, konkret gesprochen: das Schimmelpilzproblem.

Jetzt aber endlich von vorne und der Reihe nach. EnEV heißt im Klartext Energieeinsparverordnung. Hier hat die Bundesregierung im Jahr 2002 festgelegt, dass die Außenbauteile von Neubauten und sanierten Altbauten gemäß § 5 luftdicht ausgeführt werden müssen. Sinn der Übung: Es soll möglichst keine Wärme entweichen und damit Energie gespart werden. Bei der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden schreibt die EnEV Wärmedämmschichten von zirka 10 Zentimetern vor, mit den ausdrücklichen Hinweisen §§ 8 und 9, dass eine luftdichte Verpackung von Gebäuden durch eine stärkere Wärmedämmung die Kondensierung von Feuchtigkeit an den Innenwänden verhindert.

Welch ein Irrtum! „Dicke Luft in luftdichten Gebäuden“, so ein Kommentar des Umweltbundesamtes. In quasi luftdicht abgeschlossenen Räumen mag zwar keine Wärme, aber eben auch keine Feuchtigkeit entweichen. Und die war schon immer der beste Nährboden für Schimmelpilze. Schon unseren Vorfahren war klar, dass gegen feuchte Räume nur Lüften hilft. Allein der menschliche Körper produziert Feuchtigkeit, vom Kochen ganz zu schweigen. Der menschliche Körper verbraucht schon im Ruhezustand fast einen Deziliter Feuchtigkeit pro Stunde, spielende Kinder sogar bis zu einem Liter pro Stunde. Das führte früher zu diesen netten Eisblumen innen auf den Fenstern. Nur, je öfter Fenster geöffnet werden, desto mehr Wärme entweicht. Es steigen die Energiekosten. Was unsere Altvorderen auch schon wussten: Ein gutes Haus muss sich selber lüften. Was im Übrigen bei dem heutigen Stand der Technik kein Problem sein sollte. Aber da sei die EnEV vor. Somit stehen Haus- und Wohnungsinhaber vor der Wahl, wegen der vorgeschriebenen Wärmedämmung öfter zu lüften und den Einspareffekt wieder aufzuheben – oder aber mit feuchten Wänden und der Gefahr des Schimmelpilzes zu leben, inklusive einer Erkrankung an Mykose oder Bronchial-Asthma.

Und schon steht die nächste Verordnung vor Ihrer Tür, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Lassen Sie uns gemeinsam überlegen, welche Ratschläge wir der Bürokratie geben können. Hier zwei Vorschläge vorab: Der viel beschriebene Einfluss von Licht auf die Qualität unseres Lebens wird weit überschätzt. Man kann also ohne Bedenken die Anzahl der Türen und Fenster reduzieren, gemäß dem Motto: Wo keine sind, können auch keine geöffnet werden. Einmal geheizt ist für immer geheizt. Und – noch jedenfalls – ist Strom billiger als Öl oder Gas. Die Haltung von Haustieren sollte – insbesondere in Städten – unbedingt gefördert werden. Kuscheln mit Tieren spart Heizkosten. Schon unsere Altvorderen hatten ihren Stall im Wohnzimmer.

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