Eine „weiße Wanne“ gegen Hochwasser
Die RVG sorgt für Lebens- und Wohnqualität im Rheinauhafen
Das Erschließungskonzept des Kölner Rheinauhafens unterscheidet sich maßgeblich von allen anderen Hafenrevitalisierungsprojekten weltweit. Wir sprachen mit Franz-Xaver Corneth und Herbert Blatzheim, den Geschäftsführern der Rheinauhafen Verwaltungsgesellschaft, über die Besonderheiten dieses Konzepts.
Kölner Stadt-Anzeiger: Herr Corneth, in Ihrer Funktion als Projektleiter Rheinauhafen bei der Häfen- und Güterverkehr Köln AG (HGK) haben Sie die Entwicklung des innovativsten Veedels Kölns von Anfang an miterlebt und mitgestaltet. Was ist hier anders gelaufen als bei anderen Revitalisierungskonzepten dieser Art?
Franz-Xaver Corneth: Wir unterscheiden uns in zweierlei Hinsicht. Zum einen hat die HGK als Grundstückseigentümerin die Erschließung des Rheinauhafens mit rund 100 Millionen Euro vorfinanziert. Sie hat sich also um die Realisierung der Tiefgarage, der Kanalisation und der Wärmeversorgung gekümmert. Das Gleiche gilt für das Mobiliar wie die Segelleuchten oder Geländer, das wir ebenso wie die Oberfläche aus Blaubasaltpflaster und Beton eigens für den Rheinauhafen haben gestalten lassen. Dies bedeutete und bedeutet eine große Entlastung für die Investoren und Bauherren, die sich voll und ganz auf ihre Objekte konzentrieren können. Zum anderen stellen wir als RVG die Sauberkeit, Sicherheit und somit nicht zuletzt auch das Image des Rheinauhafens als Renommierobjekt der Stadt sicher.
„Graffitis verschwinden schneller wieder, als sie
gesprüht werden können.“
Herbert Blatzheim: So sorgt die RVG dafür, dass das Hafengelände Tag und Nacht bewacht wird, sich keine Stadtstreicheroder die Drogenszene niederlässt und auch Graffitis schneller wieder verschwinden, als sie gesprüht werden können. Denn wie die Stadt Wien herausgefunden hat, lässt sich die Street-Art nur so aus dem Stadtbild verbannen: Je länger das Bild eines Sprayers an prominenter Stelle prangt, desto mehr Punkte sammelt er innerhalb der Szene, die diesen Ort dann umso häufiger frequentiert.
Kölner Stadt-Anzeiger: Graffitis sind das eine, was den Anwohnern ein Dorn im Auge sein könnte. Das andere dürften die Folgen möglicher Rheinhochwasser sein. Was haben Sie dagegen unternommen?
Franz-Xaver Corneth: Natürlich haben wir bereits bei der Erschließung des Geländes alle erdenklichen Hochwasserschutzmaßnahmen getroffen. Dazu gehört unter anderem mein Lieblingsprojekt „weiße Wanne“ – auch bekannt als Europas längste Tiefgarage. Sie ist statisch so ausgelegt, dass sie sogar einem Pegel von 11,90 m gewachsen ist. Jedoch fluten wir bei Erreichen der 100-Jahre- Hochwasser-Bestmarke von 11,30 m freiwillig.
Herbert Blatzheim: Außerdem ist bis zu dieser Bestmarke sichergestellt, dass das im Hafen anfallende Schmutzwasser abgepumpt wird und sich nicht mit Rheinwasser vermischt. Und natürlich haben wir, wie gesetzlich vorgeschrieben, den Rheinauhafen an das Fernwärmenetz angeschlossen. Keines der Objekte wird hier mit wassergefährdendem Öl oder Gas beheizt.
Franz-Xaver Corneth: Darüber hinaus erarbeiten wir aktuell gemeinsam mit dem HochwasserKompetenzCentrum (HKC), Köln, einen Hochwasserschutzplan für den Rheinauhafen. Unser Ehrgeiz ist, dass jeder Anwohner genau weiß, was er bei welchem Pegelstand zu tun hat und welche Maßnahmen getroffen werden. Also z. B. bei welcher Wasserhöhe die Tiefgarage zu räumen ist oder wo wir mit dem Aufbau von Stegen oder Ähnlichem beginnen.
Kölner Stadt-Anzeiger: Was ist das HochwasserKompetenzCentrum?
Franz-Xaver Corneth: Das HKC wurde im September 2007 als Verein unter der Devise „Kräfte bündeln gegen Hochwasser“ gegründet. Es führt Wissenschaft und Praxis erstmals im Sinne eines ganzheitlichen Hochwasserschutzes zusammen. Unterstrichen wird dies durch das breite Spektrum der Gründer, wozu unter anderem die Stadtentwässerungsbetriebe Köln, Unternehmen wie Axa oder Ford und Bildungseinrichtungen wie die RWTH Aachen und die Universitäten zu Köln und Bonn zählen. Die RVG, vertreten durch meine Person, ist ebenfalls mit von der Partie. Ziel des HKC ist, sämtliche betroffene und interessierte Kreise einzubeziehen und das vorhandene Wissen um die Ursachen und die Vermeidung von sowie den Umgang mit Hochwasser zusammenzuführen, weiterzuentwickeln und bereitzustellen. Ein Projekt, das über die Grenzen Deutschlands hinaus Beachtung findet.
Kölner Stadt-Anzeiger: Ihren Ausführungen zu folge versteht sich die RVG als Service-Dienstleister für alle im Rheinauhafen Ansässigen ...
„Wir unternehmen alles, um das Leben und Arbeiten
hier so angenehm wie möglich zu gestalten.“
Franz-Xaver Corneth: Richtig, wir unternehmen alles, um das Leben und Arbeiten hier so angenehm wie möglich zu gestalten. Dazu haben wir uns mit der IVV Immobiliengruppe einen erfahrenen und kompetenten Immobilienmanager und -verwalter ins Boot geholt. Doch damit hört unser Engagement noch lange nicht auf. Zum Wohle der Anwohner haben wir z. B. eigens eine Änderung der Rheinschifffahrtspolizeiverordnung herbeigeführt. Die Mannheimer Akte von 1868 besagt, dass die Rheinschiffer jederzeit an jedem Ort anlegen dürfen. Und damit sie nachts nicht mit laufenden Dieselmotoren ankern müssen, stellen wir ihnen kostenlos Strom zur Verfügung. Ein Angebot, das die Partikulierer hier nun im Rheinauhafen kraft Gesetz in Anspruch nehmen müssen.
Kölner Stadt-Anzeiger: Wohnen am Wasser ist gefragter denn je. Wie reagieren andere Städteplaner auf die Erfolge in Köln?
Herbert Blatzheim: Mit Interesse. So steht inzwischen fest, dass wir die Kollegen in Mainz bei der Entwicklung ihres Hafens beraten. Dort soll das Kölner Konzept übernommen werden. Der Londoner Hafen hat angefragt, eine konkrete Beratung steht noch aus.
Kölner Stadt-Anzeiger: Was macht Sie besonders stolz, wenn Sie die letzten fünf bis sechs Jahre Revue passieren lassen?
Franz-Xaver Corneth: Zum Beispiel die Tiefgarage, mein Baby: Wir haben sie in einer Rekordzeit von nur 15 Monaten gebaut, ohne dass einem der 200 Bauarbeiter, die ich alle persönlich kannte, etwas passiert ist. Oder meine Vorhersage, dass die Nachfrage nach Eigentumswohnungen in einem unserer historischen Gebäude höher sein wird, als der Anwalt, mit dem ich seinerzeit verhandelte, zunächst glauben wollte. Um ihn endlich zum Abschluss zu bewegen, behauptete ich, dass schon in einem halben Jahr der größte Teil der Wohnungen verkauft sein würde – und so war es auch. Ich kenne meine Kölner und deren Verhältnis zum Rheinauhafen halt. Sicherlich auch eine der Geschichten, an die man gerne zurückdenkt.


