imm cologne 2009

Wohnwelten, die Wellen schlagen

Sommer 2008. Während alle Welt an Urlaub denkt, schlossen sich die fünf renommierten Design-Experten des Trendboards der imm cologne für 48 Stunden in einem Konferenzraum ein. Heraus gekommen ist eine faszinierende Vorschau auf die Highlights der imm 2009 und künftige Wohn- und Lebenswelten. Treten Sie ein!

Die Kölner Einrichtungsmesse imm cologne setzt weltweit Maßstäbe: 2008 waren über 1.300 Aussteller aus rund 60 Ländern vertreten, die neben ausgefallenen Design-Möbeln und klassischen Wohnwelten auch neuartige Textilien und Teppiche, innovative Leuchten und trendige Accessoires präsentierten. Designer und Kreative, aber auch branchenfremde Besucher nutzen die imm als Trendbarometer und Inspirationsquelle – hier kommt das Kopfkino in Gang, Gestaltungsideen werden abgewogen und natürlich auch inspirierende Anregungen für das eigene Heim mit nach Hause genommen.

Jetzt rückt die „imm cologne 2009“ immer näher und damit die spannende Frage, welche Farben, Formen und Materialien vom 19. bis zum 25. Januar 2009 in Köln den Ton angeben werden.

Die Antwort darauf liefert die imm cologne selbst, die bereits seit fünf Jahren im Vorfeld der Messe eine Handvoll namhafter Experten aus den Bereichen Produktdesign, Architektur, Design-Beratung und Fachpublizistik zu einem Wochenende nach Köln einlädt, um die Zukunft der Einrichtung vorwegzunehmen.

In diesem Jahr bestand das so genannte Trendboard aus dem Stockholmer Architekten Eero Koivisto, dem New Yorker Designer Stephen Burks, dem in Paris lebenden und arbeitenden israelischen Designer Arik Levy, dem Londoner Journalisten und Chefredakteur des Online-Design-Magazins dezeen Marcus Fairs sowie dem italienischen Designer und Textilexperten Giulio Ridolfo. Während des zweitägigen Kreativ-Workshops präsentierten, analysierten und diskutierten die Geladenen eine bunte Vielfalt an Bildern, sichteten Produkt- und Materialproben sowie Notizen zu sozialen, ökonomischen und kulturellen Strömungen. Letztendlich definierten sie wort- und bildgewaltig die vier wichtigsten Trends für das kommende Jahr – zu finden im aktuellen Trendbook der imm cologne.

Die Megatrends im Interior Design 2009
Als „Extra Much“, „Near and Far“, „Tepee Culture“ und „Re-Run Time“ betitelten die Design-Experten die vier maßgeblichen Trends für das Jahr 2009 – doch was verbirgt sich hinter diesen kryptisch anmutenden Begrifflichkeiten?

„Extra Much“ beschreibt die Abkehr von Minimalismus und Zurückhaltung sowie die gleichzeitige Hinwendung zu Extremen – immer und überall. Alles ist möglich, so das Credo. Es wird mit neuen Techniken experimentiert, es werden Grenzen ausgelotet und ein Lifestyle für ein neues Zeitalter geschaffen. Dabei ist in der Formsprache alles erlaubt, ganz gleich ob konventionell oder experimentell, technisch oder organisch – viele Formen ergeben sich direkt aus dem verwendeten Material oder dem eingesetzten Herstellungsverfahren. Denn neuartige Materialien und Technologien, die bisher im Möbeldesign noch keine Rolle spielten, aber auch innovative Verarbeitungsmethoden für altbekannte Materialien – wie Aluminium oder Plexiglas – kommen vermehrt zum Einsatz und eröffnen neue Perspektiven. Im Hinblick auf die Farben bildet Blaugrün – nach Vorhersage der Experten – im kommenden Jahr die Grundfarbe; Maigrün, knalliges Orange und Gelb, Apricot- und Cremetöne, unterschiedlichstes Blau sowie Kupfer und Gold runden das Spektrum ab.

„Near and Far“ stellt die Natur als perfektes System und als Vorbild für Einrichtungsdesigns in den Focus. Mannigfaltigste Farben und Formen treffen aufeinander, Gegensätze werden kombiniert und aufeinander bezogen – um ein homogenes Ganzes zu kreieren, bei dem jedes Element seine Funktion erfüllt und alles einem übergeordneten Sinn unterstellt ist. Es kommen vermehrt natürliche Materialien wie Seegras oder Bambus zum Einsatz, die sich auch in filigranen Formen und transparenten Strukturen wiederfinden. Warme Grautöne in Verbindung mit Weiß und Beige bilden das grundlegende Farbspektrum; Rosé, Grün und Blau dienen der Akzentuierung – so die Prognose des Trendboards.

„Tepee Culture“ steckt ebenfalls den Weg zurück zur Natur ab. Doch hier geht es nicht um Oberflächen, sondern um die Seele der Dinge, um das wahre Leben, das sich in Wohndesigns widerspiegelt – Ecken und Kanten, Schrammen und Kratzer inklusive. Jedem Einrichtungsgegenstand erlaubt man, seine Geschichte zu erzählen und auch weiterzuspinnen. Diese Rückkehr zur essenziellen Bedeutung der Dinge, die uns alltäglich umgeben, repräsentiert farblich ein sattes Rot mit einem leichten Einschlag von Orange – ergänzt von einer Palette gesättigter Grün- und Brauntöne. Akzentuiert werden diese Farbkombinationen durch Ocker- und Blautöne sowie ein helles Creme. Hinsichtlich der Formgebung dominieren Kreise, deren Homogenität man mit natürlichen Formen aus der Fauna bricht. Am stärksten zeigt sich die neu entdeckte Naturverbundenheit in der vermehrten Verwendung von Papier und anderen recyclebaren Materialien.

„Re-Run Time“ charakterisiert unsere Sehnsucht nach Beständigkeit und unseren Hang zur Nostalgie. Nicht Wandel und Originalität sollen sich in den Dingen des Alltags widerspiegeln, sondern Konstanz und Authentizität. So dominieren klassische Formen, die uns schon seit unserer Jugend wie selbstverständlich begleiten – allerdings mit auf den ersten Blick unscheinbaren, aber dennoch essenziellen Modifikationen von Proportionen und Dimensionen. Genauso verhält es sich hinsichtlich der Materialien: Leder, Rosshaar, Seide, Wachs oder Holz stehen für Natürlichkeit – und Erinnerungen. Farblich dominieren erdige Beige-, Rot- und Brauntöne, kontrastiert mit Blau, Grün und Silber.

„Trends sind wie Wellen im Ozean“
Hinwendung zu High-Tech oder Retour zur Natur – wie passen diese Trends zusammen? Müssen sie gar nicht. „Trends kommen nicht heute und sind morgen wieder weg. Das ist eine naive Vorstellung. Sie gleiten vielmehr langsam heran und langsam wieder zurück“, erklärt Trendboard-Mitglied Eero Koivisto im aktuellen Trendbook. So sind die hier vorgestellten Trends auch nicht als Ergebnis akkurater Analysen und messerscharfer Markterhebungen zu lesen, sondern eher als die Summe einer Vielzahl unscharfer Beobachtungen, Notizen, stundenlanger Gespräche und anhaltender Eindrücke, welche die Design-Experten auf ihren Reisen um die Welt zusammengetragen haben. „Trends sind wie Wellen im Ozean“, beschreibt Eero Koivisto und erklärt damit sehr anschaulich das periodische Aufkeimen und Abtauen des Interesses an bestimmten Moden. Ein beruhigender Gedankengang. Brauchen wir uns doch nicht zu fragen, ob wir mit unserer aktuellen Einrichtung im Trend liegen oder nicht – sondern können uns auf der nächsten „imm cologne“ ganz entspannt treiben lassen und selbst entscheiden, welche Design-Ideen und Wohnwelten in diesem Jahr – für uns persönlich – die höchsten Wellen schlagen.

Interior Design Week Cologne
Zeitgleich zur imm cologne finden die 20. Passagen statt. Dann verwandelt sich die Kölner Innenstadt wieder in einen einzigen großen Ausstellungsraum: Über 160 Shows internationaler Designer und Hersteller liefern spannende Eindrücke, Inspirationen und Einrichtungsideen rund um Möbel, Accessoires, Licht oder Materialien. Bei Happenings, Vernissagen und anderen Veranstaltungen werden aktuelle Themen und Trends des Interior Designs aufgenommen und diskutiert.

Weitere Informationen und Details zum Programm
finden Sie unter www.voggenreiter.com.

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