Ein aufregender Start ins Jahr 2009

Chancen und Perspektiven auf dem deutschen Gasmarkt

„Russland dreht Deutschland das Gas ab“, „Gasversorgung ‚massiv’ bedroht“ und „Wie lange reichen die deutschen Gasvorräte?“, „Leere Pipeline in Europa“ – so hieß es in einigen Schlagzeilen vom Jahresanfang 2009. Der Gaskonflikt zwischen Russland und der Ukraine sowie seine möglichen Folgen dominierten zeitweise die Berichterstattung.

Gasversorgung in Deutschland war und ist sichergestellt
Den gefürchteten Versorgungsengpass in Deutschland hat es nur in den Medien gegeben, nicht für die Kunden der deutschen Gasunternehmen. Die Haushalts- und Industriekunden in Deutschland konnten sich stets auf eine sichere Versorgung mit Erdgas verlassen.

Die VNG importiert russisches Erdgas über zwei Lieferwege. In dieser Situation wurde ein Großteil über die Jamal-Route (Weißrussland, Polen) statt durch die Ukraine transportiert, sodass nur eine geringfügige Menge ausblieb, die über norwegische und deutsche Lieferanten sowie durch die umfangreichen Speicherkapazitäten ausgeglichen wurde. Die Versorgung mit Erdgas konnte stets sicher und stabil gewährleistet werden. Die VNG konnte sogar die vom Gastransit durch die Ukraine abhängige Slowakei mit Erdgaslieferungen unterstützen.

Die Ereignisse zwischen Russland und der Ukraine haben gezeigt, dass die VNG – Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft auch in Kombination mit der gleichzeitig auftretenden Kälteperiode mit bis zu -12 °C im Tagesmittel in der Belieferung der Kunden keine Probleme hatte. Hier hat sich gezeigt, dass die VNG wie die gesamte deutsche Gaswirtschaft in der Vergangenheit die richtigen strategischen Investitionen getätigt und Partnerschaften aufgebaut haben. Schon frühzeitig hat sich die VNG bzw. die deutsche Gaswirtschaft auf einen langfristig angelegten Ausbau der Infrastrukturen zur Sicherung der Versorgung konzentriert. Dazu gehört neben der Diversifizierung der Lieferwege auch der weitere Ausbau der unterirdischen Speicherkapazitäten. So verfügt etwa die VNG heute bereits über Untergrundspeicher mit rund 2,5 Mrd. m³ Speicherkapazität.

Außerdem hat die VNG zusammen mit der GAZPROM Export ein Joint Venture zur Errichtung eines Untergrundspeichers (UGS) bei Halle gegründet. Am Ende wird in diesem neuen UGS ein nutzbares Speichervolumen von 600 Mio. m³ zur Verfügung stehen. Diese Menge reicht aus, um über 140.000 Haushalte für zwei Jahre mit Erdgas zu versorgen. Durch Diversifizierung der Lieferanten und Transportwege lässt sich ein hohes Maß an Versorgungssicherheit schaffen. Die VNG bezog im Geschäftsjahr 2008 Erdgas von mehreren Produzenten oder Ferngasgesellschaften. Davon kamen 42 Prozent aus russischen Quellen, 24 Prozent aus Norwegen und 23 Prozent von inländischen Lieferanten. Zusätzlich wurden 11 Prozent der Mengen über den europäischen Spotund Terminhandel eingekauft.

Ein weiterer Beitrag zur Erhöhung der Versorgungssicherheit sieht die VNG in ihrem Engagement in der Exploration und Produktion von Erdgas. Seit 2006 engagiert sich die VNG über die VNG-Norge AS in der norwegischen Nordsee selbst.

Mit dem Kauf des norwegischen Erdgasproduzenten Endeavour Energy Norge AS (EEN) am 2. April 2009 steigt die VNG direkt in die Erdgasförderung ein. Mit nunmehr 29 Lizenzen sollen zum Jahr 2020 etwa zehn Prozent der Gasbeschaffung durch eigene Quellen abgesichert werden.

Im Zusammenhang mit der Versorgungssicherheit spielen die langfristigen Gasbezugsverträge mit Norwegen und Russland eine wichtige Rolle. Die Verträge bestehen teilweise bis 2030 und garantieren neben Liefersicherheit auch kalkulierbare Preise. Über die Ölpreisbindung haben wir fest vereinbarte Regelungen unabhängig von kurzfristigen Ereignissen auf dem Gasmarkt.

Die gute Seite der Ölpreisbindung
Mit dem Auftreten der sogenannten Gaskrise und der damit verbundenen Verknappung des Gutes Erdgas in Europa wäre eine Preissteigerung zu vermuten gewesen. Aufgrund der vertraglich vereinbarten Preisregelungen haben die Kunden in Deutschland jedoch keine Preissteigerungen hinnehmen müssen. Das Gegenteil ist sogar der Fall gewesen. Zu Beginn des Jahres haben viele Stadtwerke und Gasversorger die Preise für Erdgas gesenkt. Im Einzelnen fanden Kürzungen bis zu 30 Prozent statt. Die Ölpreisbindung bietet somit eine gewisse Sicherheit und Berechenbarkeit. Ohne dieses Instrument entwickelt sich der Erdgaspreis ähnlich wie an der Börse – der Kunde kann weniger zahlen, genauso ist er auch großen Schwankungen nach oben ausgesetzt.

Die bisherigen und aktuellen Preissenkungen zeigen, dass die in den letzten Jahren teilweise stark kritisierte Ölpreisbindung, wonach der Bezugspreis von Erdgas an die Preisentwicklung von leichtem Heizöl gekoppelt ist, zu sinkenden Preisen für Verbraucher führt. Die Ölpreisbindung zahlt sich gerade in Zeiten konjunktureller Schwäche aus. Sie wirkt, entgegen der immer wieder zu hörenden Behauptung, nicht nur in eine (nämlich steigende) Richtung. Vielmehr verhindert die Ölpreisbindung unter anderem, dass ein einmal erreichtes Preisniveau durch die Marktmacht rohstoffreicher Länder künstlich aufrechterhalten wird.

Bei der Diskussion über die Ölpreisbindung muss gleichfalls beachtet werden, dass die Förderung von Erdgas genauso wie bei Erdöl Investitionen in enormen Größenordnungen erfordert, die durch die Produzenten nur getätigt werden, wenn diese eine gewisse Sicherheit bezüglich der Abnahme (Lieferverträge) und des Preises haben. Somit trägt die Ölpreisbindung auch dazu bei, eine hohe Versorgungssicherheit zu bezahlbaren Preisen zu gewährleisten.

Gaswirtschaft im Wettbewerb
Der Wettbewerb um Gaskunden ist auf allen Ebenen der gaswirtschaftlichen Versorgungskette angekommen. Auf der Großhandelsstufe beziehen Stadtwerke und regionale Gasversorger ihr Erdgas zunehmend von mehreren Lieferanten, um so eine Optimierung erreichen zu können. Wie lebendig der Wettbewerb um Endkunden ist, verdeutlicht eine Erhebung des BDEW: Danach wechselten bis Dezember 2008 rund 7 Prozent der Kunden ihre Anbieter. Der deutlich größere Teil, 15 Prozent, wechselte innerhalb des Tarifsystems seines Versorgers. Auch dies ist ein Ergebnis des Wettbewerbs. Der Kunde vergleicht Produkte und Preise seines aktuellen Anbieters mit den Angeboten Dritter. Im Ergebnis entscheiden sich viele Kunden bewusst für ihren langjährigen Versorger.

Die Versorger selbst haben ein originäres Interesse, ihren Kunden Erdgas zu einem wettbewerbsfähigen Preis anzubieten. Um im Wettbewerb im Wärmemarkt mit anderen Energien sowie im zunehmenden Wettbewerb mit anderen Gasversorgern erfolgreich zu sein, werden Preissenkungen so schnell wie möglich weitergegeben.

Der Wettbewerb mit anderen Energieträgern, und hier zunehmend mit alternativen Energieträgern wie die elektrische Wärmepumpe oder Pellets, um Marktanteile wird zunehmend intensiver. Zusätzliche Unterstützung erhalten erneuerbare Energien durch die Zielvorgabe aus der Politik zur Reduzierung der CO2-Emissionen und der bundespolitischen Gesetzgebung, u. a. dem EEWärmeG. In diesem Zusammenhang werden leider die Vorteile des Produktes Erdgas zur Erreichung der CO2-Ziele und somit seines Beitrag für den Klimaschutz vernachlässigt.

Ist Erdgas innovativ?
Innovative Produkte sind gefragt. Die Gas-Brennwerttechnik ist seit Beginn der 1990er Jahre Stand der Technik. Hier sind Gaswirtschaft und Geräteindustrie gefordert, neue Technologien hervorzubringen. Ein Beispiel: Das Mikro-Blockheizkraftwerk hat es momentan mit Unterstützung der VNG zur Marktreife gebracht. Dabei setzt die VNG auf kostengünstige, ausgereifte Serienkomponenten. Das Potenzial ist immens: Rund 17 Millionen Haushalte in Deutschland könnten theoretisch ein Mikro-Blockheizkraftwerk einsetzen.

Ein weiterer wichtiger Markt sind Erdgasfahrzeuge. Gerade als Kraftstoff ist Erdgas aufgrund seiner sehr guten Umwelteigenschaften und der interessanten Preise für den öffentlichen Verkehr wie auch für private Autofahrer attraktiv. Neben den Aktivitäten der Erdgaswirtschaft beim Ausbau des Tankstellennetzes von heute über 800 Tankstellen bietet die Automobilindustrie jetzt Fahrzeuge mit ansprechender Reichweite und Turbotechnik für erhöhten Fahrspaß an. So entwickeln etwa beim neuen VW Passat 1.4 TSI EcoFuel oder beim Opel Zafira 1.6 CNG ecoFLEX Turbo kraftvolle 150 PS (110 kW) eine beeindruckende Fahrdynamik. Im Sommer 2009 will Volkswagen zudem noch den VW Touran mit einem TSI-EcoFuel-Motor auf den Markt bringen. Mit 220 Newtonmetern Drehmoment stehen sowohl der VW Passat 1.4 TSI EcoFuel als auch der Touran TSI EcoFuel einem vergleichbaren Turbodiesel in nichts nach. Der VW Passat kommt als Limousine mit dem Doppelkupplungsgetriebe (DSG) laut Hersteller mit rund 4,4 Kilogramm Erdgas auf 100 Kilometer aus und emittiert nur 119 Gramm CO2 je Kilometer. Damit bleibt er als erstes Fahrzeug der Mittelklasse unter der 120-Gramm-Marke. Damit zeigt sich, dass Fahren mit Erdgas nicht nur Spaß beim Fahren und Tanken bringt, sondern auch noch umweltschonender wird.

Dr. Gerhard Holtmeier, Vorstandsmitglied Gasverkauf/Technik der
VNG – Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft

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