Eine Region in Bewegung

Aufschwung in Köln, Bonn und Umgebung

Wer erinnert sich noch an das Heulen und Zähneklappern?
Es war die Zeit, in der die beiden Teile Deutschlands zusammenwuchsen. Eines der sichtbaren Zeichen hierfür war der nach hartem Ringen beschlossene Umzug von Regierung und Parlament von Bonn nach Berlin.

Mehr als eine Millionenstadt ... (Quelle: Inge Decker, Stadt Köln)

Quer durch die Parteien prophezeiten Lokal-, Landes- und Bundespolitiker der Stadt Bonn Ödnis und Leere. Und warum sollte nicht auch Köln in den Abwärtstrend geraten? Sieht man sich den Landstrich heute an, sucht man vergebens nach einer Wüstenei. Mehr als drei Millionen Menschen leben in kleinen und großen Städten sowie vier Landkreisen. Sie alle verbindet nicht nur eine als typisch rheinländisch beschriebene Mentalität, sondern auch der deutscheste aller Flüsse, der Rhein. Wandert man an seinen Ufern, findet man schnell Belege für den Aufschwung in der Region. Zum Beispiel den Kölner Rheinauhafen. Liebevoll restaurierte, denkmalgeschützte Gebäude wechseln sich mit aufregend moderner Architektur ab. Neben Bewohnern, die das exklusive Ambiente lieben, sollen vor allem Künstler und andere Kreative von einer inspirierenden Arbeitsatmosphäre profitieren. Das beeindruckende neue Quartier macht klar, dass der Fluss nicht nur für die Wirtschaft eine große Rolle spielt. Die Nähe zum Wasser macht auch ein Stück Lebensqualität aus. Im Rheinauhafen entsteht ein Stadtteil, der nicht nur die Welten des Wohnens und Arbeitens miteinander verbindet. Hier bieten sich neuen und alten Kölner Bürgern auch viele Erholungsmöglichkeiten. So lockern großzügige Grünflächen und Plätze das Ensemble auf und schaffen Freiräume für Kultur und Freizeit.
Aber zurück zur Wirtschaft. 150.000 Unternehmen in der Region erwirtschafteten im Jahr 2004 einen Umsatz von mehr als 293 Milliarden Euro. 17 %der nordrhein-westfälischen Bevölkerung trugen somit 19 %zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei. In absoluten Zahlen arbeiten mehr als eine Million Menschen in der Region, Freiberufler und Selbstständige nicht eingerechnet.

Köln hebt ab
Nicht nur – wie beim Rheinauhafen – am Wasser, auch in der
Luft lässt sich das Wachstum ablesen: Der Flughafen Köln/Bonn (seit kurzem auch mit der Bahn erreichbar) wird in diesem Jahr aller Voraussicht nach einen erneuten Verkehrsrekord aufstellen. Vor allem die Billigfluggesellschaften sorgen für steigende Passagierzahlen. Im ersten Halbjahr 2007 legte aber nicht nur der Passagier-, sondern auch der Frachtbereich gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich zu. Gemessen an seiner gesamten Verkehrsleistung (Passagierverkehr plus Fracht) ist Köln/Bonn der viertgrößte Flughafen Deutschlands. Bei den Passagierzahlen liegt er an sechster, im Frachtbereich an zweiter Stelle.
Auch hier ist also viel in Bewegung. Gestern noch Boomtown,
heute schon Geisterstadt – so schnell kann es im Frachtgeschäft gehen. Ein großer Express-Luftfrachtkonzern will in Köln/Bonn ein neues internationales Drehkreuz schaffen und darüber sein stark wachsendes Geschäft in Mittel- und Osteuropa abwickeln. Bisher war das Unternehmen am Frankfurter Flughafen präsent, wo jedoch anders als in Köln/Bonn ein Nachtflugverbot gilt. In Köln/Bonn wird mit dem neuen Umschlagzentrum übrigens der Weggang anderer Frachtführer nach Leipzig/Halle ausgeglichen. Und auch ein weltweit führender Paketzusteller ist mit einem seiner wichtigsten internationalen Drehkreuze bereits am Flughafen in der Wahner Heide präsent. Also alles andere als Geisterstadt.
Köln ist auch und vor allem als Medienstandort von Gewicht.
Zeitungen und Verlage, Rundfunk- und Fernsehsender haben hier ihren Sitz, viele Dienstleister kommen hinzu. Ein Drittel der bundesweiten Fernsehproduktion stammt aus Köln, mit weit über 15.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nimmt Köln im Bereich der audiovisuellen Medien die Spitzenposition ein. Aber auch andere Branchen konzentrieren sich in Köln und Umgebung, sei es die Chemie-, Pharma- oder Automobilindustrie.

Der Bonn-Boom
In Köln tut sich was – in Bonn tut sich noch mehr. Die nunmehr Bundesstadt hat den Weggang von Regierung, Parlament und den meisten Ministerien gut verkraftet. Noch immer sind dank des Berlin-Bonn-Gesetzes sechs von fünfzehn Bundesministerien am Rhein, Bundespräsident und Bundeskanzler haben hier zweite Dienstsitze.
Und auch Diplomaten gibt es immer noch in Bonn. Regelmäßig finden internationale Tagungen statt. Seit Juli 1996 kann sich Bonn UNO-Stadt nennen, zehn Jahre später übergab Bundeskanzlerin Angela Merkel den neuen Dienstsitz an UN-Generalsekretär Kofi Annan. Zwölf Organisationen, Programme und Büros der Vereinten Nationen arbeiten in Bonn. Das ehemalige Bundestagsgebäude, das „Alte Hochhaus“ und der „Lange Eugen“ (einstiges Abgeordnetenhochhaus) bilden das Fundament des „Campus der Vereinten Nationen”.
Auch der von vielen befürchtete Verlust von Arbeitsplätzen ist Bonn erspart geblieben. Die Stadt hat eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in Nordrhein-Westfalen. Zwei in Bonn ansässige Unternehmen sind unter den 50 größten der Welt. Auch die Einwohnerzahl wächst: Am Stichtag 30. Juni 2007 lebten 314.301 gemeldete Einwohner in Bonn und damit so viele Menschen wie nie zuvor. Noch ein Faktum, das den Boom belegt: Die Immobilienpreise liegen – wie auch in den Kölner Bestlagen – auf hohem Niveau.
Von Heulen und Zähneklappern also keine Spur. Sieht man einmal davon ab, dass Köln die einzige der vier deutschen Millionenstädte ohne Fußballbundesligist ist ...

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