Von einem, der auszog, um Eigentümer zu werden

Es ging mir, wie so oft in meinem Leben. Ohne sonderlich über die Folgen nachzudenken, stolperte ich in ein neues Abenteuer. Auch dieses Mal nahm der Lernprozess kein Ende. Und das kam so.

Wie alles begann
Monatelang rechnete mir meine heiß geliebte Familie bei jeder passenden, vor allem aber unpassenden Gelegenheit vor, welch eine Verschwendung unsere monatlichen Ausgaben an Miete seien, und dass wir für die gleiche Summe binnen kurzer Zeit ein Vermögen in Form einer komfortablen Eigentumswohnung bilden könnten.

Gesagt, kaum gedacht, getan. Nach unsäglichen Verhandlungen mit merkwürdigen Gestalten wie Makler, Finanzberater, Sparkassen-Immobilien-Center-Vorsteher, Notar und einigen mehr zogen wir guten Mutes in unser schmuckes neues Eigentum.

Alle waren glücklich und zufrieden. Die Zinsen entsprachen in etwa der Miete. Die Mitbewohner waren nett, wenn auch teilweise gewöhnungsbedürftig, eine gesunde Mischung von Alt und Jung.

Bis eines schönen Frühlingstages die Einladung zur Eigentümerversammlung ins Haus flatterte – nebst Anlagen. Diese zu verstehen gab ich, so muss ich gestehen, nach mehreren intellektuellen Anläufen auf und beschloss, auf unseren kundigen Verwalter Verwalter zu vertrauen, der dieses Metier schließlich studiert und bisher einen guten Eindruck hinterlassen hatte. Außerdem sollte sich doch unter den Mitbewohnern der eine oder andere kluge Kopf befinden. Welch eine merkwürdige Vorstellung!

Der Aufstand
So nahm dann das Schicksal seinen Lauf. Konkret gesprochen tat es das in einem kargen Sitzungsraum, unter Anwesenheit von zehn Eigentümern plus Verwalter nebst dessen Assistent.

Bisher ruhige und durchaus freundliche Menschen überprüften zunächst penibel die Tagesordnung auf ihre verwaltungsrechtliche Gültigkeit, die wiederum mit einer gewissen latenten Enttäuschung konzediert werden musste. Dann aber ging es vehement ans Eingemachte: Jeder einzelne Punkt der Tagesordnung wurde kritisch und vor allem ausführlich diskutiert. War man in den vergangenen Monaten der Verwaltung noch dankbar, dass sie Schäden und Beanstandungen schnell und reibungslos beseitigt hatte, so stellte man jetzt aufgeregt und umständlich fest, dass die dabei entstandenen Kosten unverschämt seien und dringender Nachverhandlungen bedürften.

Noch höher schlugen die emotionalen Wellen angesichts drohender Preissteigerungen für Heizung, Strom und Wasser. Hinweise der Verwaltung, es läge außerhalb ihrer Möglichkeiten, die kommunalen Finanzprobleme zu lösen und gleichzeitig die internationalen Multis zu züchtigen, waren gegen den zugegebenermaßen gerechten Zorn wenig hilfreich.

Der Abend gipfelte in einer Diskussion über ein externes Gutachten, die Heizungsanlage zu optimieren und die Fassade zu dämmen, um mittelfristig bedeutende Mittel einzusparen.

Dazu bedurfte es allerdings einer nicht ganz geringen Sonderumlage. Ab jetzt war die Stimmung völlig hinüber. Leute, die in ihrem beruflichen und privaten Alltag gelernt haben, mit Problemen umzugehen und sie zu bewältigen, erklärten die Verwaltung zur einzig Schuldigen für das Elend der Welt im Allgemeinen und ihrer Wohnimmobilie im Besonderen.

Jeder weiß, dass Benzin teurer wird, sein Auto gewartet werden muss, gelegentlich neue Reifen fällig werden. Warum sollte das bei einer Eigentumswohnung anders sein? Immerhin hat man hier in der Regel eine professionelle Verwaltung, sozusagen eine Dauerinspektion, die einem ganzjährig fast alle Arbeit abnimmt.

Fazit

Wieder zu Hause sah ich eine Zeit lang unsere Mitbewohner mit anderen Augen. Gemeinsamer Besitz und gemeinsame Verantwortung verbinden nicht automatisch. Der Kauf ist eben nicht nur eine bloße Alternative zum Mieten. Mit einem Kauf wird man Unternehmer, und ist nicht mehr nur der Nehmer, der seinen Vermieter nachts anruft, weil der Wasserhahn tropft. Und jeder gute Unternehmer holt sich Hilfe bei Angelegenheiten, von denen er nichts versteht. Und die erhält er nun mal nicht umsonst. So einfach ist das!

Im Übrigen sehe ich der nächsten Eigentümerversammlung mit gemischten Gefühlen entgegen, das geht der Verwaltung wahrscheinlich ebenso.

Nach oben




Jetzt "Wohnraum" downloaden

"Wohnraum" informiert Sie über alle News aus dem Immobiliensektor. Auf Wunsch im kostenlosen Abo - oder hier zum gezielten Downloaden: