Ist eine Immobilie noch eine gute Investition?

Deutscher Markt von Immobilienkrise kaum betroffen

Als die Immobilienkrise in den USA begann, fingen auch gleichzeitig die Spekulationen über mögliche Folgen für den europäischen – wie auch für den globalen Markt – an. Zuerst konnte man Auswirkungen an der Börse bemerken. Nun haben sie auch die europäischen Banken erreicht. Für den deutschen Immobilienmarkt erwarten Experten dagegen keine nennenswerten Einflüsse.

Angefangen hat alles mit einem Boom. Der Immobilienmarkt in den USA war so erfolgreich wie nie, denn nach dem Crash im September 2001 haben viele Anleger ihr Geld von der Börse genommen und lieber in Immobilien investiert. Die Nachfrage nach Häusern wuchs, und jeder, der einen Kredit haben wollte, bekam ihn – auch diejenigen, die sich einen Kredit überhaupt nicht leisten und dementsprechend die monatlichen Zahlungen nur knapp begleichen konnten. Denn um Forderungen nach höheren Renditen zu erfüllen, hatten viele US-Banken die Richtlinien für die Vergabe von Immobilienkrediten gelockert: Wesentliche Ursache für die Krise waren die vielen Lockzinsangebote nach dem 2/28-Modell, die es seit etwa 2005 gab. Bei ihnen zahlen Kreditnehmer in den ersten zwei Jahren nur eine sehr niedrige Rate (oft nur zwischen einem und zwei Prozent). Nach zwei Jahren wird der Zins variabel, springt auf das aktuelle Niveau und bleibt dort für die restlichen 28 Jahre. Als die Notenbank den Leitzins wieder erhöhte, stieg die finanzielle Belastung der Hausbesitzer. Wider Erwarten stiegen die Immobilienpreise nicht, sondern sie fielen. Anfang 2007 konnten die Ersten ihre Schulden nicht mehr tilgen und waren plötzlich hoffnungslos überschuldet.

Immer noch eine gute Investition

Die Subprime-Krise
Es folgte die sogenannte Subprime-Krise – eine Bankenkrise im Jahre 2007. Einen Subprime-Kredit erhalten Kreditnehmer mit geringer Bonität. Also ein risikoreiches Geschäft, da die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass der Kredit nicht beglichen werden kann.
Im Frühjahr 2007 erreichten in den USA die Zahlungsausfälle auf Subprime-Kredite den höchsten Stand der letzten Jahre. Viele der Baufinanzierer, die sich auf riskante Subprime-Kredite spezialisiert hatten, mussten entweder Gläubigerschutz beantragen, sich bei anderen Geld leihen oder die Kredite zu schlechteren Konditionen weiterverkaufen.
Diejenigen, die ihre Kredite verkaufen mussten, wandten sich an Versicherungen, Banken oder Hedge-Fonds. Jedoch waren diese Käufe mit hohen Risiken behaftet, die bei vielen Hedge-Fonds zu großen Schäden und Schließungen führten. An solchen Kreditkäufen beteiligten sich auch einige deutsche Banken, die nur durch milliardenschwere Bürgschaften gerettet werden konnten. Einige Beispiele sind die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB, die SachsenLB und zuletzt noch WestLB sowie BayernLB.

Stabiler deutscher Markt
In vielen Ländern Europas entwickelte sich in den letzten Jahren ein regelrechter Immobilienboom, der vor allem in Großbritannien, Frankreich, Italien und den Niederlanden bis vor kurzem zu steigenden Hauspreisen führte. Wie in den USA fallen die Preise dort nun wieder.
Und in Deutschland? Es sieht so aus, als berührte die Krise deutsche Immobilienbesitzer und -käufer nur am Rande. Da es hierzulande keinen Boom gab, kann es auch nicht dermaßen bergab gehen wie in den Vereinigten Staaten. Seit dem großen Aufschwung nach der Deutschen Wiedervereinigung stagnieren die Preise. Die Zahl der Baugenehmigungen ist im vergangenen Jahr um ein Viertel und damit drastisch zurückgegangen. Ein wesentlicher Grund hierfür dürfte die Abschaffung der Eigenheimzulage sein.
Gleichwohl ist die Stimmung verhalten optimistisch, wie eine Erhebung der Wirtschaftsberatung Ernst & Young (E & Y) ergab. Experten erwarten, dass der deutsche Immobilienmarkt auch in Zukunft stabil bleiben dürfte: 90 der 100 von E & Y befragten Unternehmen bezeichneten den deutschen Markt auch im europäischen Vergleich als „sehr robust und attraktiv“.
Und noch etwas unterscheidet den deutschen Immobilienmarkt von dem in den USA: Lockzinsangebote à la 2/28 gibt es nicht. Festgelegte Zinssätze für eine abgesprochene Laufzeit sorgen dafür, dass der Kredit in der Regel zurückgezahlt werden kann. Der deutsche Immobilienmarkt gilt daher insgesamt als relativ sicher.

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