Die große Zeit der Sommerweine

Eine Genussreise von der Côte d‘Azur über die Atlantikküste bis nach Galizien mit Sommelier Wolfgang Abel.

Frisch, trocken und leicht müssen sie sein, die Sommerweine, nicht zu aufdringlich, sondern fein und fruchtig. Sommer, das ist die große Zeit des Rosés, eines Weines der von „Kennern“ höchst zu Unrecht als überflüssig oder unwichtig abgetan wird. Ein Rosé wird aus Rotweintrauben hergestellt, die nur ein paar Stunden auf der Maische bleiben und deshalb nur eine blassrote Farbe an den Wein abgeben. Dadurch bleiben die Weine frisch und leicht, lassen sich allerdings auch nicht sehr lange lagern.

Ein Gefühl von blauem Meer
Kaum ein Wein verkörpert mehr das Gefühl von blauem Meer und Überfluss an gutem Essen wie der Rosé. Er passt zum gegrillten Hähnchen ebenso gut wie zum Salade niçoise, einer Pizza oder der Pissaladière (wie die Variante auf der anderen Seite der italienischen Grenze heißt). Er gehört neben die Tellines (kleine Muscheln mit viel Knoblauch und Kräutern gegart) ebenso wie zur Lammschulter, zu den kleinen Ziegenkäsen aus dem Maurenmassiv, den Melonen aus Cavaillon und den Hartwürsten aus Arles (die vor allem nach den Stierkämpfen in Mengen angeboten werden). Rosé an der Côte d‘Azur, das ist die Zeit zwischen Frühjahr und Sommer, wo wir einen Rosé aus dem Bandol genießen, bevor es weitergeht.

An der Atlantikküste probieren wir ein paar Austern ohne alles. Einfach nur die frische Salzigkeit des Meeres schmecken, sich den Wind um die Nase wehen lassen und das Gesicht in die Sonne drehen. Klassisch ist hierzu natürlich der Chablis, seine feine, nicht zu aufdringliche Säure unterstreicht die Feinheit der Auster. Aber auch ein Muscadet passt. Und wären wir jetzt zu Hause – wir würden es mit einem Riesling probieren. Etwas ungewöhnlicher ist die Kombination der frischen Auster mit einem Süßwein aus dem Westen Frankreichs, einem Sauternes, Barsac oder Cerons, aber es funktioniert!

Ideal zu leichten Sommerspeisen
Wenn es heiß wird, hat niemand Lust, aufwendig zu kochen. Es reicht, ein paar Tapas oder ein paar Antipasti auf den Tisch zu stellen, feines Brot, dazu einen gut gekühlten Wein. Wenn wir nicht in Urlaub fahren können, dann holen wir uns den Urlaub auf die Terrasse oder in den Garten: ein Oleander oder eine Bougainvillea im Kübel, ein Topf Lavendel auf der Fensterbank, eine Tortilla, panierte oder gegrillte und eingelegte Zucchini, ein paar Scheiben Serrano- Schinken, einige marinierte Sardinen und dazu ein weißer Albarino aus Galicien. Da diese Gegend eine der kühlsten Spaniens ist, gedeihen dort frischere, aromatische Weine mit etwas Säure und feinen Aromen von exotischen Früchten.

Hier meine Empfehlungen von immerwährenden Sommeressen-Klassikern, die alle ihren Begleiter im Weinglas suchen:

  • Melone mit Parmaschinken: klassisch dazu ein weißer Portwein, fein aber auch ein süßer schäumender Clairette de Die
  • Tomaten mit Mozzarella und Basilikum: Rosé de Provence oderTavel, aber auch ein leichter italienischer Rotwein, z. B. ein Barbaresco
  • Spaghetti mit Cocktailtomaten: Weißburgunder oder Chardonnay aus dem Barrique, kräftiger Chasselas aus der Schweiz oder dem Badischen, wo er Gutedel heißt
  • Guacamole: neuseeländischer Sauvignon oder ein Elsässer Muskateller
  • Paella: ein leichter spanischer Rotwein aus Navarra oder Penedès, oder auch ein spanischer Rosé
  • Salate mit Hähnchen- oder Putenbrust: kalifornischer Chardonnay
  • Frittierte Zucchiniblüten: dazu kann nur ein provenzalischer Rosé gereicht werden
  • Lammkarrée auf Frühlingsgemüsen: Rotwein aus der Provence oder ein deutscher Spätburgunder
  • Crostini mit Hähnchenleber oder Steinpilzpaste: junger Chianti
  • Gazpacho: trockener Sherry oder trockener Sauvignon blanc
  • Garnelen in Knoblauchbutter: weißer Graves oder ein Weißburgunder

Kommen Sie genussvoll durch den Sommer!
Ihr Wolfgang Abel

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