Wohin nur mit den ganzen Möbeln?
Tipps zum Wohnen auf kleinem Raum
Je kleiner der Raum, desto schwieriger gestaltet sich die richtige Einrichtung. Doch nichts ist unmöglich: Wir sprachen mit der Kölner Interior Designerin Britta Bergner über Tipps und Tricks, auch wenig Platz größer wirken zu lassen als er ist.
wohnraum: Frau Bergner, wie häufig werden Sie in Ihrem Beruf mit dem Thema „Wohnen auf kleinem Raum“ konfrontiert?
Britta Bergner: Da ich die innenarchitektonische Vorplanung für das TV-Format „Zuhause im Glück“ mache, komme ich fast täglich mit dem Thema in Berührung. Häufig stehen wir als Planer vor der Aufgabe die Bedürfnisse vieler Familienmitglieder auf kleinem Raum unterzubringen. Das ist meistens nur durch eine komplett neue Raumaufteilung möglich und sinnvoll.
wohnraum:Ist der Beratungsbedarf auf diesem Themengebiet in den letzten Jahren gestiegen, und wenn ja, woran liegt das?
Britta Bergner: Ich habe schon das Gefühl, dass in den Städten der Bedarf größer geworden ist. Da die Mieten in den Großstädten steigen, ist es umso wichtiger, aus möglichst wenig Raum das Optimum herauszuholen. Kleine Wohnungen verlangen einige Kompromisse, bieten aber auch die Chance, uns von eingefahrenen Denkstrukturen zu lösen und unkonventionelle Wohnkonzepte zu finden.
wohnraum: Was sind in diesem Arbeitsbereich die größten Herausforderungen?
Britta Bergner: Schwierig ist es, wenn der Bauherr nur einen oder zwei Räume isoliert von der restlichen Wohnfläche verändern möchte. Je beschränkter das Raumangebot, desto wahrscheinlicher ist es, dass eine Veränderung eine Art „Kettenreaktion“ auslöst und über ein Gesamtkonzept nachgedacht werden muss. Daher sind auf einzelne Räume beschränkte Lösungen häufig sehr schwierig.
wohnraum: Wer aus einer großen Wohnung in eine kleinere zieht, muss Platz sparen. Gibt es Patentlösungen, mit denen dieser Situation begegnet werden kann?
Britta Bergner: Natürlich müssen alle Bedürfnisse der Bewohner berücksichtigt werden. Wichtig ist es, sich dabei vorab Gedanken über seine Lebensweise zu machen, Bedürfnisse zu analysieren und Prioritäten zu setzen. Was ist mir wichtig, wo kann ich Abstriche machen? Grundsätzlich ist es immer gut, sich von der traditionellen Raumaufteilung gedanklich zu lösen und „quer zu denken“. Dabei sollte man gerade bei kleinen Wohnungen den Wohnraum als Ganzes betrachten, ver-schiedene Funktionen zusammenlegen und multifunktionale Wohnbereiche schaffen. Die Räume sollten flexibel und wandelbar sein und alle notwendigen Funktionen enthalten. Das passt meiner Meinung nach zu unserem heutigen zwanglosen Lebensstil.
wohnraum: Wir haben unseren Möbelvorrat bereits aufs nötigste dezimiert, die Wohnung wirkt aber dennoch voll gestopft. Wie können wir geringe Wohnfläche größer wirken lassen, als sie ist?
Britta Bergner: Es gibt ein paar einfache Tricks, Räume optisch größer wirken zu lassen. So sollte man etwa helle Farben und neutrale Oberflächen wählen. Die Grenzen eines Raumes treten optisch in den Hintergrund, wenn alle Flächen die gleiche Farbe haben. Daher sollte man bauliche Details (Türen, Fenster, Deckenbalken etc.) möglichst im selben Ton der Wände und Decken streichen. Auch sollte man auf eine gewisse Einheitlichkeit der Materialien achten; der Raum wirkt dann ruhiger. Spiegel und glänzende Oberflächen reflektieren das Licht und lassen die Räume dadurch geräumiger erscheinen.
wohnraum: Wie sollte man mit Stauraum umgehen?
Britta Bergner: Gerade in kleinen Wohnungen sind Einbauten meistens günstiger als frei stehende Aufbewahrungsmöbel. Sie wirken weniger aufdringlich, bieten viel Platz und beruhigen den Raum. Glatte, neutrale Oberflächen bei Türen und Schränken wirken dezenter als Kassettentüren. Wenn sie geschlossen sind, sehen sie fast aus wie ein Teil der Wand. So können auch Ecken zweckmäßig als Stauraum genutzt werden. Frei stehende Regale und Schränke wirken dagegen häufig unaufgeräumt und vollgestopft.
wohnraum: Ist es sinnvoll, einzelnen Räumen mehrere Funktionen zuzuordnen?
Britta Bergner: Eine offene Grundriss-Struktur wirkt insgesamt geräumiger. Allerdings muss man sich sehr genau Gedanken über die Aufteilung der Bereiche machen. Unter Umständen ist es sinnvoll, die Decke in Einzelbereichen abzuhängen oder Funktionsbereiche auf ein Podest zu setzen, um die Bereiche zu definieren und eventuell die Proportion eines Raumes zu korrigieren.
wohnraum: Wie wichtig ist das Thema Licht bei der Einrichtung kleiner Wohnungen?
Britta Bergner: Die ungünstigste Lösung für kleine Räume ist ein mittig angeordnetes Raumlicht. Dadurch werden alle Bereiche gleichmäßig stark ausgeleuchtet und es wird nicht auf die unterschiedlichen Funktionsbereiche eingegangen. Da kleine Räume häufig mehrere Funktionen haben, ist es sinnvoll, den einzelnen Bereichen entsprechende Lichtquellen zuzuordnen. Dadurch grenzt man die Bereiche zusätzlich voneinander ab und kann je nach Situation unterschiedliche Atmosphären schaffen. Schön ist es dabei, in den verschiedenen Bereichen unterschiedliche Lichtquellen einzuplanen. Verschiedene, in unterschiedlichen Höhen und Stärken angebrachte Lichtquellen lenken den Blick und schaffen Abwechslung im Raum. Deckenfluter und Wandleuchten, die den oberen Bereich einer Wand anstrahlen, lassen beispielsweise den Raum optisch höher erscheinen. Einbauleuchten und -spots treten dezent zurück und ziehen sich mit der Architektur zusammen. Sie sind besonders als Grundausleuchtung in kleinen Fluren und Bädern zu empfehlen.
wohnraum: Hand aufs Herz, was macht Ihnen mehr Spaß, das Arbeiten mit großen oder mit kleinen Wohnflächen?
Britta Bergner: Beide Planungen bergen unterschiedliche Herausforderungen. Ich liebe dabei die Abwechslung der Projekte.
Eine wirkliche Vorliebe habe ich dabei nicht. Allerdings ist es immer wieder ein schöner Moment, in dem man weiß, ein gelungenes Raumkonzept erarbeitet zu haben und die Raumproportionen im wahrsten Sinne des Wortes im Griff zu haben.
wohnraum: Vielen Dank für das Gespräch.
Britta Bergner - BergnerMeijerink Planungsgemeinschaft
Rathenauplatz 24 50674 Köln
info@bergnermeijerink.de



Ausgabe 15 (3900kB)